Zuerst ist die Storie des Jahres zu lesen. Die hat nämlich kein Ende und geht hier monatlich weiter....

Mai 2020

 

Joachim Müller

Der fünfte Akt

 

Steigen sie bitte hinten ein“, sagte der Busfahrer. „Hallo, wo ist denn ihr Mund – Nasenschutz mein Herr? Und, wie alt sind überhaupt die Kinder?“

Der herzlose Busfahrer setzte sein Hausrecht, eigentlich Busrecht, durch und ließ die vier nicht mitfahren. Also, standen sie wieder in der Bushaltestelle, wo sie wegen des immer noch sehr starken Regens verweilen mussten.

 

Oh wartet nur ihr schnöden Leute

 mein Dach gibt Schutz vor Regenfluten,

 ihr seid mir nicht die ersten heute,

 doch seid ihr welche von den guten.

 

Nun setzet euch in Schalensitze,

 von unten schäbig voll geklebt.

 Und Taschentuch in jeder Ritze,

 in dem das Virus weiter lebt.

 

Mich gab es schon zu Kaisers Zeiten

 hier machten Postillione halt.

 Um mit den Briefen frisch zu reiten,

 ich hör noch, wie das Posthorn schallt.

 

Doch diese Zeit ist lang gelaufen

 und mit ihr ist der Glanz vorbei.

 Ich seh hier Menschen einsam saufen

 und manchen macht auch Haschisch high.

 

Heut steh ich auf gestählten Stelzen,

 mit eingeklebtem Sicherglas.

 An das sich deine Kinder wälzen

 und an den Füßen wächst mir Gras.

 

Auch häufig hebt ein Hund sein Bein,

 das sorgt alsbald für fiesen Rost.

 Wie kann ich da nur glücklich sein,

 bei Regen, Wind und Winterfrost.

 

Wie gern biet ich verliebten Schutz,

 mit Schmetterlingen in den Därmen.

 Hier kratzte Laura, sie liebt Lutz,

 der konnte sie so herrlich wärmen.

 

Ihr ahnt ja nicht, was ich schon sah,

 von Liebe, Lügen bis zu Leichen.

 Bemerkte, wie ein Mord geschah,

 Ihr würdet auf der Stell` erbleichen.

 

Nun geht, der Himmel lichtet sich,

 nimm deine Kinder, Vater Knut.

 Ich weiß es ja, du hörst mich nich

 und auch nicht deine Blagenbrut

 

Der Regen hörte auf und Knut nahm seine Taschen und die Kinder um den beschwerlichen Weg zurück nach Hause anzutreten.

Er blickte noch einmal zurück zur Haltestelle, sagte unvermittelt: „Danke!“ und erschrak. Von irgendwoher kam ein „Bitte!“

 

(Fortsetzung folgt im Juni 2020)

Danke auch an die Zusendungen und Ideen - die Ruhrleser