Zuerst ist die Storie des Jahres zu lesen. Die hat nämlich kein Ende und geht hier monatlich weiter....

August 2020

 

Jo Müller

 

Familie Pommerenke

 

Achter Akt

 

 

 

Die Situation war verfahren. Hatte Jolita ihre Liebe nur vorgegaukelt?  Sie steckte augenscheinlich mit ihren Brüdern unter einer Decke. Knut fühlte sich gehörnt, denn ein Funke Zuneigung, vielleicht sogar alte verrostete Liebe fristeten in ihm ein klägliches Dasein.

 

Der stürmische Tag war nun auch schon weit fortgeschritten. Knuts Kinder hatten heute schon vieles erlebt, was auf keinen Fall kindgemäß war und die Einkäufe dümpelten in den Tragetaschen...

 

 

 

Ehemals aus Plastikflaschen

 

liebevoll und stark verwoben,

 

sind wir Einkaufstragetaschen

 

ökologisch schon zu loben.

 

 

 

Bieten für so Vieles Hülle,

 

doch für Einkäufe gemacht.

 

Altglas, Altpapier Gemülle

 

wird mit uns gern weggebracht.

 

 

 

Nur, wenn Einkauf zu lang dümpelt,

 

schlecht sortiert hinein gelegt.

 

Wird zu Hause spät entrümpelt,

 

weil so manches Gut zerlegt.

 

 

 

Toastbrot hat die Form verloren,

 

Tomaten sind schon aufgebrochen.

 

Nektarinen angegoren,

 

wobei sie auch schon vorher rochen.

 

 

 

Eier sind jetzt angetickt,

 

Joghurt hat `nen Riss im Becher,

 

durch den der Joghurt langsam sickt,

 

ergießt sich in `nem weiten Fächer.

 

 

 

Alles warm, was grad` noch kalt,

 

alles weich, was fest gekauft.

 

Junger Gauda ist nun alt,

 

Camembert ist ganz zerlauft.

 

 

 

Oh, ich arme Tragetasche,

 

niemand wird mich innen putzen.

 

Immerzu die gleiche Masche,

 

wird man mich wohl noch benutzen?

 

 

 

Werd ich dies noch überleben,

 

oder ist das Ende nah?

 

Spür‘s in mir so furchtbar kleben,

 

 war so lang zum Tragen da.

 

 

 

Die Situation für die Einkäufe würde sich kurzfristig nicht verbessern. Lediglich für die Kinder könnte der Tag etwas kindgerechter werden.

 

Die Müllers aber waren euphorisch. Die Umsetzung zum Hochzeitstag würde das Ganze nochmals toppen. Schließlich gab es noch so einiges zu feilen, zu schmirgeln, zu glätten. Und glatt sollte es werden. Schließlich wünschte sich Jolita nichts Sehnlicheres, als dass Kerstin Pommerenke ordentlich ausrutschen und sich riesige Hämatome zuziehen würde. Und genau das würde passieren. Da war sie sich mit ihren Brüdern einig.

 

Demgegenüber fand Knut „Verstehen sie Spaß“ furchtbar. Er musste es halt neben dem Familienoberhaupt, seiner Frau und den Kindern immer anschauen. An diesen Abenden genoss er die Wege in den Keller, um ihr frisches kühles Bier zu bringen.

 

Viel lieber sah Knut Rateshows. Rätseln, da kannte er sich aus. Das fordert seinen Erfindergeist.

 

Die Kinder blickten wie zufällig in die Einkaufstaschen und begannen mit den darin befindlichen Exponaten zu spielen. Dies veränderte die Einkäufe sowie das Aussehen der Kinder.

 

Endlich sah Knut eine Chance dieser verfahrenen Situation zu entkommen.

 

 

(Fortsetzung folgt im August 2020)

Danke auch an die Zusendungen und Ideen - die Ruhrleser